00:03
Lernt ein bisschen Geschichte, dann werdet ihr sehen, wie der Reporter sich damals entwickelt hat. Wie der sich damals entwickelt hat.
00:15
Hallo und herzlich willkommen bei Geschichten aus der Geschichte. Mein Name ist Richard. Und mein Name ist Daniel.
00:24
Tja, und wir sind zwei Historiker, die sich hier Woche für Woche gegenseitig eine Geschichte aus der Geschichte erzählen, immer abwechselnd und auch immer so, dass der eine nie weiß, was der andere ihm erzählen wird. Richtig.
00:35
Daniel.
00:35
Richard. Neue Folge, neues Glück. Jawohl, so ist es. Wieso bist du heute so streng? Bin ich so streng? Heute bist du streng.
00:45
Bist an sich gut gelaunt, hast gut geschlafen. Sehr gut gelaunt, sehr gut geschlafen. In letzter Nacht hatte ich sehr früh eingeschlafen. Weißt du wann?
00:54
Also ich sag mal so, du hast mir um eins nochmal eine Nachricht geschickt. Da bin ich wieder aufgewacht.
01:01
Da bin ich tatsächlich um Viertel nach neun eingeschlafen. Ui, Viertel nach neun. Viertel nach neun. Dann bin ich um eins nochmal aufgewacht und dann bin ich um sechs aufgewacht und habe natürlich nicht mehr schlafen können.
01:10
Weißt du, was lustig ist? Mein Schlafrhythmus gestern war tatsächlich ähnlich.
01:15
Ich bin eingeschlafen um neun während der Einschlafbegleitung, bin dann auch nachts nochmal aufgewacht und auch um sechs aufgestanden wegen Schule. Das heißt, unser Rhythmus war heute ähnlich, also gestern Nacht.
01:29
Tja, wir sind halt gesinkt. Gesünkt, ohne dass man es wissen. Hervorragend gelaunt, hervorragend drauf, wahrscheinlich noch besser gelaunt, wenn du mir beweisen kannst, dass du dich erinnerst, über was ich in der letzten Folge gesprochen habe.
01:44
Oh ja, du hast erzählt über Arbeiter in Kohlebergwerken und über ihre Bezahlung, die nämlich nicht unbedingt nur in Geld ausbezahlt wurden, sondern mit, wie ist die Übersetzung, mit Ersatzgeld.
01:56
Script, genau, so Ersatzgeld. Ja, ein bisschen hin und her gesprungen zwischen Truck und Script und diesen Themen und das Ganze natürlich so als Auszug. Feedback kriegt zum Beispiel von Leuten, die sich erhofft haben, dass wir ein bisschen mehr über Krupp sprechen, das du ja dann am Schluss zum Glück noch angesprochen hast, aber mein Fokus und das ist natürlich auch immer bei so einem komplexen Thema, da muss man dann sich irgendwie fokussieren und die haben ja vor allem fokussiert auf den US-amerikanischen, also so den südlichen Appalachen-Bereich.
02:26
Aber wie wir am Ende der Besprechung ja auch gesagt haben, da gibt es ja noch einiges, über das man reden kann. Vor allem auch diese Company Towns, die nicht erst in den Company Towns waren, die gewachsen sind um eine Grube, sondern die tatsächlich angelegt worden sind, um dort auch noch anderen Einfluss paternalistisch ausüben zu können. Ja, aber schönes Feedback kriegt diesbezüglich zu dieser Folge.
02:51
Sehr schön. Und ich finde es auch besser, den Fokus dann jeweils auf eine bestimmte Gegend und Zeit zu setzen, weil dann kann man nämlich, wenn man mal eine Folge zu Grupp machen, einfach Vergleiche ziehen und kann dann sich da nochmal anschauen, was waren die Unterschiede, was war ähnlich, warum und wie.
03:07
So ist es. Also es ist auch eine Investition in die Zukunft.
03:12
Jede Folge ist eine Investition in die Zukunft, Richard.
03:18
Hervorragend.
03:19
Gut, Daniel, haben wir irgendwas Hausmeisterliches? Apropos Zukunft, eine Sache würde ich gerne noch ansprechen. Ein guter Bekannter von mir, der hat eine Stiftung, die heißt Junge Impulse und die hat einen Impulse Award ausgeschrieben. Ich bin in der Jury von diesem Impulse Award und bei diesem Impulse Award geht es genau darum, wenn jemand ein Projekt macht, wo er was für Kinder und junge Menschen macht, Und damit also in die Zukunft investiert. Also wer sowas macht, kann sich hier bewerben. Es gibt in jedem Jahr 60.000 Euro zu vergeben.
03:49
Und die Einreichfrist ist bis zum 31. Oktober. Fantastisch.
03:55
Ja gut, Daniel, in diesem Fall von der Jury-Tätigkeit zum Geschichtenerzählen, würde ich sagen.
04:01
Soll ich loslegen?
04:03
Du denke?
04:04
Richard, im Sommer 1883 sitzt der Lehrer Josef Vogel mit fünf Freunden am Stammtisch in Bayerisch Zell, kleiner Ort in den oberbayerischen Alpen in der Nähe von Miesbach und dem Tegernsee, Und Vogel beschwert sich in der Runde darüber, dass bei ihnen in der Gegend immer weniger Arbeitshosen aus Leder tragen würden. Und dass die Hosen überhaupt immer länger werden würden. Und dass alle nur noch so in langen Hosen aus Loden herumlaufen würden.
04:31
Und die Gruppe um den Vogel, die lässt sich dann in Miesbach von einem Säckler, das sind die, ja, die stellen Lederbekleidung her, werden auch Beutler oder Beutelmacher genannt. Und die Gruppe um den Vogel, die lässt sich dann in Miesbach von einem Säckler kurze Hosen aus Leder anfertigen. Und kurz ist wichtig in dem Zusammenhang. Und als die Männer dann mit ihren Lederhosen losziehen und zum ersten Mal auf die Straßen gehen, was glaubst du passiert dann?
04:57
Ja, Aufruhr.
04:59
Aufruhr. Sie werden ausgelacht.
05:01
Als Kniehösler werden sie verspottet. Und auch als sie in die Kirche gehen wollen, da heißt es, mit diesen Hosen ist ihnen verboten, an Prozessionen teilzunehmen. Ja, unverständlich. Die Hosen werden später sogar für sittenwidrig erklärt.
05:16
Aber das schreckt den Vogel alles nicht ab. Am 25. August 1883 gründet er den Verein für Erhaltung der Volkstracht im Leitzachtale. Und das gilt als der erste bayerische Trachtenverein und es sollten viele weitere folgen.
05:34
Und auch wenn Vogel im Dorf und bei der Kirche auf herbe Kritik stößt mit seinen Lederhosen. Beim Bayerischen König, bei Ludwig II., findet er Gehör. Für die Wittelsbacher haben Trachten nämlich eine besondere Bedeutung. Schon der Vater von Ludwig, das war König Maximilian II., der hat 1853, also ungefähr 30 Jahre vorher, eine Verordnung erlassen zur, wie es heißt, Hebung des Nationalgefühls, insbesondere der Landestrachten.
06:03
Und das ist letztlich so die Grundlage, auf der diese Trachtenvereine dann entstehen. Die Geschichte um den Vogel ist natürlich ein bisschen anekdotisch verdichtet, weil das ist jetzt so die Ursprungsgeschichte der Lederhose, so wie wir sie heute auch noch kennen. Weil er gründet den ersten Trachtenverein, viele weitere Trachtenvereine in Bayern werden folgen und er spielt deshalb auch eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung der Lederhose, weil sie natürlich viele dann an seiner Lederhose orientieren. Und Richard, du ahnst es schon, wir sprechen in dieser Folge über Trachten, vor allem bayerische und alpenländische.
06:35
Es geht um Dirndl und Lederhosen und warum sich das, was wir heute als bayerische Tracht bezeichnen, eigentlich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitet.
06:44
Hervorragend.
06:47
Sehr gut. Großen Anteil daran hatten Leute wie der Josef Vogel, die Trachtenvereine, die Bayerischen Könige, aber auch zwei jüdische Kaufleute aus Bielefeld, die Brüder Wallach.
06:58
Und es ist klar für alle, die diese Folge kurz nach der Veröffentlichung hören, jetzt im Moment, wir haben Ende September, läuft gerade das größte Volksfest der Welt, das Oktoberfest.
07:09
Aber das Thema ist trotzdem zeitlos. Also ich habe mir immer wieder, also eigentlich schon in den letzten Jahren immer mal wieder vorgenommen, was zum Thema Tracht zu machen und nutze einfach mal jetzt die Gelegenheit.
07:18
Ich habe auch schon einige Hinweise dazu bekommen, weil es ist wie immer so ein lustiges Thema, weil es im Grunde ein Thema des 19. Jahrhunderts ist. Ganz genau. Der Nährboden wird im 19. Jahrhundert dafür gemacht.
07:30
Es ist wirklich faszinierend. Wir werden jetzt gleich noch einige Beispiele hören. Auch die Bedeutung, das war mir tatsächlich nicht bewusst, die das Oktoberfest für die Verbreitung der Tracht hatte, ist wirklich enorm. Und auf das Oktoberfest werden wir deshalb im Laufe der Folge immer wieder zurückkommen, weil ohne das Oktoberfest würde es wahrscheinlich das Dirnlo, die Lederhosen, so wie wir sie heute kennen, nicht geben. Interessant. Und ich nehme an, Richard, als geborener Steirer, vorarlbergisch sozialisiert und in Wien lebend, hattest du in deinem Leben schon viel Kontakt zu Trachten oder zu Menschen in Tracht?
08:05
Ja, natürlich. Ich meine, weniger in Vorarlberg, aber natürlich in der Steiermark. Ich habe schon auch so Janker gehabt als Kind. Mhm.
08:16
Aber nie halt so eine richtige, weißt du, für mich geschneidet. Aber als ich letztendlich vor ein paar Jahren Urlaub im Salzkammergurt gemacht habe, habe ich mir da auch einen schönen Janko gekauft. Ah, sehr gut. Heutzutage sind die Jokausi natürlich nicht so klassisch, weil ich wollte nicht einen mit so, der so richtig klassisch ist, sondern auch irgendwie einen Schnitt, den ich so anziehen kann. Aber ja, habe ich gedacht, das gehört auch dazu. Grüner Kragen. Hervorragend. Kranstoff.
08:46
du jetzt gerade sagst, ist genau das Thema, was ist klassisch? Das ist genau das Thema. Ab wann ist es authentisch? Was ist überhaupt schon authentisch?
08:57
Werden wir uns wahrscheinlich am Ende dieser Folge grundsätzlich fragen.
09:00
Ganz genau.
09:02
Also ich wollte eben gerade sagen, ich habe die noch nie in Lederhosen gesehen. Lederhosen habe ich keine. Habe ich als Kind gehabt. Es gibt sicher Fotos. Also Lederhosen haben wir schon gehabt, weil mein Vater ja starre ist. Da müssen die Kinder schon Lederhosen tragen. Aber ich glaube später, als ich dem Kindesalter entwachsen bin, habe ich keine mehr gehabt und auch keine getragen.
09:21
Gerade in der Steiermark ist ja auch der Steideranzug die bekannteste Tracht, die ja weniger von der Lederhose abhängt, sondern eben von diesem Lodenanzug, der in so einem Dunkelgrün da sehr präsent ist. Also ich muss sagen, ich habe persönlich, ich habe sicher auch als Kind wahrscheinlich eine Lederhose gehabt, Aber an sich so wenig Bezug zu Tracht, es liegt, glaube ich, ein Stück weit an meiner Jugendzeit, weil in der Zeit, in der ich aufgewachsen bin, war es noch nicht üblich, in Tracht auf Volksfeste zu gehen.
09:57
Das mag in anderen Gegenden anders gewesen sein in den 1990er Jahren, aber das lässt sich auch auf dem Oktoberfest beobachten. Wenn du da Bilder aus den 80er Jahren siehst, da sind die allerwenigsten in Tracht. Da siehst du keine Lederhosen und Dirndl. Und in der Anfangszeit der Wiesen, wie wir gleich sehen werden, da gab es noch gar keine Dirndl.
10:15
Also dieser Trachtenboom, den man heute so beobachten kann, der hat sich erst in den letzten 20, 25 Jahren ergeben oder ist immer größer geworden. Und das sieht man nicht nur am Oktoberfest. Also wenn hier in Regensburg zum Beispiel das Volksfest stattfindet, die Duld heißt die hier, dann laufen hier in der Stadt richtig viele in Dirndl und Lederhosen rum. Und das gab es in meiner Jugend nicht. Also das ist was, was wirklich erst in den letzten 20, 25 Jahren passiert ist. Aber zunächst mal zum Begriff Tracht. Hast du eine Idee, was das heißt oder wo das herkommt?
10:47
Tracht? Keine Ahnung, vielleicht von Eintracht, sodass alle gleich ausschauen.
10:54
Eine gute Idee. Kommt vom niederdeutschen Tracht, was so viel heißt wie das, was getragen wird oder die Art, wie es getragen wird. Und gemeint ist ja, wenn wir von Tracht reden, dass wir uns eine Kleidungskultur der ländlich-bäuerlichen Bevölkerung vorstellen. Und zwar eigentlich das, was man sich zu einem bestimmten Zeitpunkt darunter vorgestellt hat. Nämlich der Zeitpunkt ist genau das Ende 19. Jahrhundert. Weil es ist ja so, dass sich die Kleidung, auch die ländlich-bäuerliche Kleidung, ja auch mit der Zeit ständig verändert hat.
11:29
Zwar sicher nicht so in der Geschwindigkeit, wie sich bei uns heute die Mode verändert, aber Kleidung war nie konstant, zumal wir ja hier auch über Einzelstücke reden. Also das war ja keine Stangenware. Und es kommt noch ein anderer Aspekt hinzu. Diese Kleidung ist ja regional sehr unterschiedlich. Dann auch unterschiedlich, was die Konfessionen betrifft und auch was den sozialen Status betrifft.
11:52
Also Kleidung ist was sehr Komplexes mit sehr vielen unterschiedlichen Varianten und auch was den Anlass betrifft, sehr unterschiedlich. Es gibt die Arbeitshose, die ist natürlich nicht die Festtagshose. Deshalb tut man sich schwer, wenn man sagt, wie schaut denn die Lederhose oder das Dirndl aus?
12:12
Es muss irgendwann erst mal standardisiert werden und da kommen wir ins 19. Jahrhundert.
12:17
Was man aber beobachten kann, ist, dass eben im 19. Jahrhundert Interesse an Trachten entsteht. Also es gibt einen bestimmten Moment, wo Leute wie der Vogel sich hinstellen und sagen, Moment mal, wie haben sich denn die Leute früher gekleidet?
12:31
Sag mal, darf ich kurz raten, warum das zu dem Zeitpunkt passiert? Hat es was mit der Einigung zu tun? Also dass quasi jemand in Bayern sagt, hey, wir sind jetzt zwar alle eins, aber ich möchte schon da den Unterschied auch noch rausstreichen zwischen Bayern und Preußen.
12:47
Jein, also du hast recht, es hat einen politischen Grund, aber es ist nicht die Abgrenzung zwischen Preußen und Bayern. Okay. Das Interesse an Trachten entsteht nämlich von zwei Seiten. Vom bayerischen König, also den Wittelsbachern, also gewissermaßen eben das staatliche Interesse. Die sind nämlich auf der Suche nach irgendwas, was für die bayerische Lebensart steht.
13:08
Das ist ja im Grunde das, was ich mir gedacht habe. Bayern will sich absetzen vom Rest, um zu zeigen, dass sie...
13:16
Aber genau nicht das, sondern sie wollen sich nicht abgrenzen vom Rest, sondern sie wollen erstmal ein Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb des Königtums schaffen, denn 1806 wird Bayern Königtum und es ist ein ziemlich zusammengewürfelter Haufen.
13:29
Also du hast nicht nur die Bayern, du hast da auch die Franken dabei, du hast Schwaben dabei.
13:34
Wie schaffst du es, dass der fränkische Winzer sich genauso als Bayer fühlt wie der oberbayerische Bergbauer?
13:39
Verstehe. Okay, das heißt, das hat noch nicht einmal was mit Deutschland an sich zu tun, sondern das ist jetzt einmal ein innerbayerisches Problem.
13:45
Genau, das ist ein innerbayerisches Problem. Die Wittelsbacher suchen nach einem Weg, diesem neu entstandenen Volk, wo auch Franken und Schwaben dazugehören, eine gemeinsame Identität zu geben. Und auf der anderen Seite sind es Leute wie der Josef Vogel, die merken, hier ändert sich was. Das ist eben die Zeit, Industrialisierung, die Mode ändert sich, die Hosen werden länger, die Stoffe ändern sich. Und das ist der Moment, wo jemand eine Veränderung bemerkt, Und sich dann die Frage stellt, Moment mal, wie war es eigentlich früher? Und noch ist die Lederhose zu dem Zeitpunkt ja überhaupt kein Symbol für das Bayerische oder für das Alpenländische.
14:18
Weil über Jahrhunderte hinweg war Leder in vielen Gegenden, in ganz Deutschland, wahrscheinlich in ganz Europa, ein naheliegendes Material für Kleidung. Also Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wird Leder immer mehr durch Loden verdrängt, weil es eben auch, Loden ist ja auch so ein ganz widerständiges Material, also so ein Wollstoff, der ganz widerständig ist und eben auch sehr robust ist. Und auf der anderen Seite ändern sich da auch die Hosen im 19. Jahrhundert, weil vorher waren es ja die Kulott, die Kniebunthosen.
14:49
Und die werden immer länger. Und das habe ich in meiner Folge über den Anzug erzählt, Folge 475. Das ist ein Trend, der sich durch alle Bevölkerungsschichten zieht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist die kurze Lederhose als Arbeitshose praktisch völlig verschwunden. Und die Arbeitshose aus Leder, die gab es eben in vielen Gegenden, weil eben Leder so ein super Material ist. Es ist super widerständig, es hält warm und ist deshalb auch zu dem Zeitpunkt nichts spezifisch bayerisches. Aber Vogel beklagt eben jetzt den Verlust, wie er es bezeichnet, als die uralte Tracht.
15:21
Also er hat das Gefühl, hier geht uns irgendwas verloren. Und das ist das Umfeld, in dem es stattfindet, ist die sogenannte Heimatbewegung.
15:29
Die Heimatbewegung, da sind viele auf der Suche nach dem Dorfleben, wo sie die Natur verklären, im Gegensatz zur Stadt. Das hat viel mit der Industrialisierung zu tun. Das ist auch die Zeit der Romantik. Also es gibt so eine große Sehnsucht nach dem ländlichen Leben, nach dem scheinbar echten Leben. Und man hat es unglaublich romantisiert, also vor allem das Bürgertum und der Adel. Es gibt so ein Beispiel, das ich gefunden habe. Kennst du das Petit Trianon in Versailles? Nein, nein. Das ist ein Lustschloss, zunächst in Auftrag gegeben von Ludwig XV.
16:01
für die Madame de Pompadour und später geht es dann in den Besitz von Marie-Antoinette über. Und dieses Schloss ist für Marie-Antoinette, die ja Habsburgerin war, war das eine Möglichkeit, vor der strengen französischen Hofetikette zu fliehen.
16:17
Und es geht aber noch viel, viel weiter. Sie hat für das Petit Trianon nicht nur einen englischen Garten anlegen lassen, sondern auch das Hamon de la Raine. Also übersetzt ein Weiler der Königin. Und dieser Weiler ist ein idealisiertes Dorf. Also sie hat sich da ein ganzes Dorf bauen lassen. Also so mehr oder weniger eine Dorfkulisse. Und dort konnte sie das ländliche Leben nachspielen.
16:40
Das hat sie wahrscheinlich so in der Form nicht wirklich gemacht, aber zumindest in der Vorstellung vieler ist es so passiert. Zum Beispiel schreibt der Hamburger Friedrich Johann Lorenz Mayer, der war 1796 im Zuge einer Paris-Reise, auch in Versailles, und er schreibt über diesen Weiler, Das Dorf war der Belustigungsort des königlichen engeren Familienzirkels. Man trieb hier Mummereien und Kinderspiele. Der König verkleidete sich als Müller, die Königin als Bäuerin, Monsieur der jetzige Prätendent als Schulmeister und in diesen Kostüme bewohnte die Familie das Dorf mehrere Tage.
17:16
Also die Vorstellung ist, da lebt das Königspaar quasi als Bauernfamilie.
17:21
Ist tatsächlich sehr ähnlich auch, wie das Hamon in Wien gebaut worden ist. Da ist auch ein englischer Garten gebaut worden, Schwarzenbergpark.
17:30
Dann das Hamon, das dann auch als das Holländer Dörfel bezeichnet wurde. Ah, interessant. Das kenne ich gar nicht. Also da wohl abgeschaut. Wahrscheinlich.
17:38
Ich weiß nicht, wer das genau gebaut hat.
17:41
Aber ich glaube auch um die Zeit herum. Es entspricht auch so diesem Zeitgeist, so dieses Heimat, deshalb auch eben diese Heimatvereine. Die haben eben so das Gefühl, sie wollen zurück zur Natur, zum dörflichen Leben, das, was sie als natürlich empfinden. Und da kommt jetzt alles zusammen. Also du hast einerseits die Heimatbewegung, du hast die Trachtenvereine und du hast die Wittelsbacher.
18:00
Und schon sind Lederhose und Dirndl erfunden. Ganz einfach ist es nicht, weil es ist unmöglich, über die Lederhose oder das Dirndl zu reden. Entscheidend ist nämlich, es werden in dieser Zeit die Modelle erfunden, die bis heute maßgeblich sind. Also Leute wie Vogel, die greifen natürlich auf älteres Wissen und auf Traditionen zurück. Aber am Ende modifizieren sie halt auch das, was sie finden und es entsteht im Grunde halt auch was Neues. Und von diesen Neuen, das sie da jetzt gestaltet haben, von dem behaupten sie, das ist unsere Tracht.
18:33
Die Tracht unterscheidet sich nämlich zumindest von der Idee her von der allgemeinen Mode dadurch. dass die über eine Kleiderordnung überliefert ist und eben nicht den modischen Trends unterworfen ist. Dass das in der Praxis, wie man bei deinem Janker sieht, ohnehin nicht der Fall ist, sondern dass natürlich auch die Tracht den modischen Geschmäckern unterworfen ist.
18:52
Ja, oder wie man halt sieht, wenn man auf Soktoberfest geht. Ganz genau. Die unterschiedlichen Dirndl und sonst sehr einfach.
18:59
Aber Tracht ist, zumindest in der Theorie, der Gegenspieler zur Mode. Tracht bleibt, Mode ändert sich. Und die Idee ist also, es ist eine Tradition, auf die sich diese Kleidung bezieht. Allerdings insofern halt nur eine vermeintliche Tradition, weil die Trachten in unserem Verständnis erst ab ungefähr 1800 entstehen. Und sie hat immer was von Anfang an, deshalb eben der Verweis auf die Wittelsbacher, sie hat von Anfang an was zu tun mit Identität und Zusammengehörigkeit.
19:27
Ein anderes Beispiel, weil jetzt könnte man vielleicht sagen, ja gut, das ist jetzt vielleicht bei der Lederhose und beim Dirnleute so. Es gibt ein anderes Beispiel mit einer anderen Kleidertradition, die dann verschwunden ist, wo man das auch sehr gut sehen kann. Und zwar die Altdeutsche Tracht. Die Altdeutsche Tracht kommt 1813 so in Mode während der Befreiungskriege gegen Napoleon.
19:48
Und die Idee war es, für die Nationalbewegung eine eigenständige Mode zu schaffen. Also da haben sie dann einige Elemente verknüpft. Bei den Männern war es ein langer, eng anliegender Rock, oft mit weit geöffneten Kragen, alles recht so in schwarz gehalten. Die Frauen hatten so gepuffte Ärmel, alles so bludrig und dazu so Halskrausen.
20:09
Und das zu tragen war ein politisches Statement. Das war ein Bekenntnis zur Nationalbewegung. Das war quasi, wenn du jemanden auf der Straße gesehen hast, damit ersichtlich, ah, hier bekennt sich jemand zur Nationalbewegung. Und genau das, also gemeinsame Kleidung für ein Wir-Gefühl, das wird Ende des 19. Jahrhunderts zum Erfolgsmodell für die Lederhosen und für die Dirndl.
20:29
Es gibt also die Idee, dass man diese authentische Beulhe-Kleidung wiederentdeckt und dass man die wiederentdecken muss. Und genau eben zu einem Zeitpunkt, also ab 1800 verstärkt, ab 1850, schauen eben Leute wie der Josef Vogel zurück und versuchen danach zu vollziehen, was ist jetzt die typische Kleidung in der jeweiligen Region. Der Beginn, was wir heute als die Trachtenpflege bezeichnen.
20:51
Und die Wittelsbacher haben zum Beispiel auf ihren Hochzeiten dann Trachten gezeigt. Also der spätere Ludwig I., der hat 1810 Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen geheiratet. Und das ist ja der Ursprung des allerersten Oktoberfestes. Hm.
21:06
Die Hochzeit der beiden. Und auf diesem allerersten Oktoberfest, da haben sie acht Kinderpaare vorgeführt. Und diese acht Kinderpaare, die standen für acht bayerische Kreise und haben die Kinder jeweils in Trachten gekleidet. Jetzt ist aber die Frage, wie kommen die zu diesen Trachten?
21:23
Und dafür haben sie einen Juristen und Historiker im Bayerischen Staatsdienst engagiert, der Felix Josef von Lipowski. Und der wird beauftragt, alles zur Bayerischen Kunst und Kultur zu sammeln. Alles. Genau, alles. Easy. Nächste Woche wollen wir das Ergebnis haben.
21:39
Und die gezeigten Trachten jetzt dort bei dieser Kronprinzenhochzeit, die gehen auf seine Recherchen zurück. Lipowski, der sammelt Abbildungen vermeintlich typischer, traditioneller Kleidungsstile, sammelt alles und daraus wird dann eben diese Kleidung erstellt. Und er veröffentlicht dann ab 1822 die sogenannte Sammlung bayerischer Nationalkostüme. Und das ist im Grunde auch so eine der Grundlagen für die ganze Trachtenbewegung. Das Dirndl übrigens gibt es zu dem Zeitpunkt noch gar nicht. Mhm. Und spätestens dann mit seinem Nachfolger, dem König Maximilian II., folgt dann der nächste Schritt.
22:13
Maximilian II. lässt nämlich noch in seiner Zeit als Kronprinz die bayerischen Regierungsbeamten in den einzelnen Regionen die Kleidungsstile aufzeichnen. Und er ist dann auch der erste König, der selber in Tracht auftritt. Und damit wird die Tracht zum Teil des Hofzeremonielles und also praktisch hoffähig.
22:32
Also Trachten werden damit massiv aufgewertet, soll eben explizit für ein bayerisches Nationalgefühl sorgen und gleichzeitig agiert der König natürlich auch volksnah und naturverbunden.
22:44
Also die Lederhose zum Beispiel, die zieht er dann vor allem zur Jagd an. Und über die Kleidung haben sie halt tatsächlich versucht, von Anfang an Gemeinschaft zu schaffen. Und das hat hervorragend funktioniert und das Faszinierende, deshalb glaube ich fasziniert uns ja auch so Lederhose und Dirndl so, tut sie es bis heute. Dieses bayerische Mir sein Mir ist einfach bis heute mit Lederhose und Dirndl verbunden.
23:06
Und genau mit dieser Absicht sind sie geschaffen worden. Ja.
23:32
Also was die an Lederhosen getragen haben, das war treudes exklusives Kleidungsstück. Das war nicht die Arbeitslederhose, die der Vogel wahrscheinlich im Kopf hatte. Und was wir nämlich heute als die typische kurze Lederhose bezeichnen, ist meistens eine Variante des Jägergewands der oberbayerischen Bergerregionen um 1850.
23:52
Das Dirndl kommt erst später, aber kleiner Spoiler, es ist auch kein authentisches Kleid in einem Markt oder einer Bäuerin des 19. Jahrhunderts. Allerdings stehen jetzt die Wittelsbacher vor einem Problem. Erstens gibt es nicht überall Trachten und wo es welche gibt, unterscheiden die sich ja regional teils massiv voneinander.
24:10
Daher müssen die jetzt erstmal rekonstruiert werden und danach ein Stück weit vereinheitlicht werden. Und dabei helfen dann so Sammlungen wie die von Lipowski. Und als Vogel dann 1883 den ersten Bayerischen Trachtenverein gründet, steht er ebenfalls vor dem Problem. Was ist eigentlich die Tracht bei uns? Und um es abzukürzen, es ist eine Mischung aus unterschiedlichen Gebirgsregionen in Oberbayern. Und auch Tirol spielt eine wichtige Rolle.
24:32
Und zum Standard wird dann die oberbayerische Gebirgstracht. Davon gibt es auch mehrere Varianten, aber die bekannteste, also heute bekannteste, ist die Miesbacher Tracht. Also wenn du Miesbacher Tracht googelst oder dem Bild anschaust, dann siehst du, das ist die Lederhose, die da getragen wird, ist im Grunde das, was man im Kopf hat, wenn man sagt Lederhose. Okay. Miesbach ist eben auch die Wiege der Trachtenbewegung, weil wenn du dich an den Anfang erinnerst, Vogel, der lässt ja auch die ersten modernen Lederhosen dort sich machen von einem Säckler. Und diese Form hat sich also jetzt um 1900 mit den Trachtenvereinen herausgebildet.
25:06
Die schreiben sie jetzt also auch fest, die einzelnen Elemente dieser Trachtenbewegung oder dieser Tracht. Die lassen sich historisch schon festmachen, aber im Gesamten ist es eine Neuzusammenstellung, auch weil die ja häufig modifiziert werden oder einfach Dinge verändert werden. Weil was die da zusammentragen, beruht halt keineswegs immer nur auf einer jahrhundertealten Tradition. Vielfach zum Beispiel bei diesen Trachtenvereinen imitieren die halt die Hose, die der Vogel herstellen lässt.
25:33
Und wenn ich sage, jahrhundertealte Tradition, dann muss man sich auch klar machen, auf welcher Quellenbasis die das überhaupt machen. Weil Kleidung hat sich nicht jahrhundertelang, die wurde nicht jahrhundertelang aufbewahrt. Also worauf die sich beziehen, sind Bilder. Aber wenn man sich vorstellt, von wem wurden denn Bilder gemacht? Also die haben ja eher das Besondere festgehalten und nicht die Alltagskleidung.
25:54
Und wie viele Darstellungen von authentischer Bauernkleidung, die Jahrhunderte alt ist, wird der Vogel wohl gefunden haben, 1883 in Miesbach. Naja, irgendwo. Leder halt, das kann lange vom Dachboden liegen. Das stimmt, ja. Also deshalb meine ich, es wird schon auch historisches Wissen mit aufgegriffen haben, aber man kann jetzt, glaube ich, nicht davon ausgehen, dass die Trachten oder die Tracht, das, was er als Lederhose dann entwirft, Das ist ja nicht kodifiziert worden vor 300 Jahren und das hat er wiederentdeckt, sondern das war eben ein durchgehender Prozess und er steht an einer Stelle und macht quasi einen Cut und sagt, okay, ab hier machen wir das Ganze neu und schreiben es jetzt auf und stellen Regeln auf, wie das zu sein hat.
26:33
Und das heißt, viele dieser Vereine entwickeln bäuerliche Kleidung weiter, manche erfinden sie ein Stück weit neu und haben sie natürlich auch in die jeweilige Mode angepasst. Und übrigens, der Vogel schreibt dann auch dem König Ludwig und König Ludwig antwortet ihm auch, sehr wohlwollend, Ludwig, der lässt daraufhin an alle Kreis- und Bezirksämter die Aufforderung ergehen, auch Vereine zur Erhaltung der Tracht zu gründen.
26:57
Nachdem es dann also viele Trachtenvereine gibt, wollen die natürlich auch ihre Trachten herzeigen. Das heißt, die veranstalten irgendwann Volkstrachtenfeste. Und so festigt sich dann ein bestimmtes Bild von Trachten. Und jetzt kommt das für mich Faszinierende. In dem Moment, wo diese Kleidung zur Tracht wird, da verändert sie sich.
27:15
Nämlich ab dem Zeitpunkt ist die Lederhose keine Arbeitshose mehr, ab dem Zeitpunkt ist die Lederhose ein Statement. Weil ab dem Zeitpunkt zeigt man damit eine Verbundenheit zu einer Gruppe und steht für eine Tradition ein.
27:29
Was wir heute als typische Tracht bezeichnen, war einfach mal Kleidung einer bestimmten Zeit für eine soziale Schicht.
27:36
Und die Leute, die es vor der Trachtenbewegung getragen haben, haben es ja nicht aus Verbundenheit oder Tradition gemacht, sondern weil es halt ihre Arbeitsklärung war. Ja, weil die arbeiten gehen müssen. Genau.
27:46
Aber die Idee der Tracht ist eben, es gibt so ein Motto der Tracht, die heißt Sitt und Tracht der Alten wollen wir erhalten. Und das führt also jetzt dazu, dass um die Jahrhundertwende, also um 1900, gibt es einen totalen Boom der Trachtenvereine. 1906 gibt es in Bayern schon 61 Trachtenvereine. Und wie ich schon gesagt habe, zentrale Bedeutung hat immer wieder das Oktoberfest. Also nicht nur, weil auf dem allerersten Oktoberfest schon Trachten gezeigt wurden, zum Beispiel 1895, da gab es den ersten Volkstrachtenfestzug.
28:24
Und dafür wurden dann eben Trachten und Einzelstücke historischer Kleidung aus unterschiedlichen bayerischen Kreisen zusammengetragen, teilweise auch nach Vorbildern neu geschneidert. Und dieser Umzug ist das Vorbild für den heutigen Trachtenzug am ersten Wiesensonntag.
28:37
Und er ist deshalb so außergewöhnlich einflussreich für die kommende oder für die aufkommende Trachten- und Heimatbewegung, weil alle teilnehmenden Gruppen dieses Festzugs, die werden damals mehrfach fotografiert.
28:50
Und diese Bilder landen in den Sammlungen und in der medialen Berichterstattung. Und wenn damals also jemand gesucht hat, wie schauen denn die Trachten aus, ist er genau darauf gestoßen. Und so hat sich das immer weiter verbreitet.
29:02
Und es kommt noch was dazu, was ich bislang unterschlagen habe, was zur Verbreitung der Trachten führt. Ich habe schon die Heimatbewegung genannt. Also dieser romantische Blick aufs Land, der führt noch zu etwas anderem, nämlich der führt dazu, dass der Tourismus in den Alpen beginnt. Die Städter fahren jetzt auf Sommerfrische in die Alpen.
29:23
Und die kommen jetzt dort nicht nur mit den Trachten in Kontakt, die wollen sich auch so kleiden. Man muss aber sagen, das passiert schon so um 1900, der richtige Durchbruch der Lederhose ist dann eigentlich erst nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Aufkommen des Alpentourismus als Massenphänomen.
29:40
Bald tragen jetzt also auch die städtischen Bürger Tracht. Die katholische Kirche, die gibt irgendwann ihren Widerstand auf gegen die Trachtenvereinskultur. Und aus dieser Idee der Lederhose als robuste Arbeitshose wird jetzt also eine Tracht, die zu besonderen Anlässen getragen wird, mit vielen Ornamenten. Und im Wesentlichen gibt es zwei Abwandlungen. Die eine, das ist die Kniebunthose.
30:02
Die kommt also wirklich von einer französischen Culotte, die sich ja in ganz Mitteleuropa verbreitet hat. Die gibt es so ab dem 18. Jahrhundert. Die wird auch Buntlederne genannt. Und ganz oft sieht man auch die kurze Lederhose. Also die ist eben deutlich über dem Knie. Und die entsteht so um 1800. Und die entsteht aus der längeren Variante. Also aus der Buntlederne entsteht also die kurze Lederhose. Und diese kurze Lederhose hat oft so diesen Knopflatz. Dazu so lederne Hosenträger mit dem Querriegel vorne, oft bestickt und so.
30:33
Das ist quasi die Hot Paint-Variante.
30:36
Genau. Kennst du deine Liederhosenfilme?
30:40
Wie meinst du? Ist das ein Terminus für eine bestimmte Art?
30:45
Ja, das ist ein Ausdruck für eine bestimmte Art von Filmen. Nein. Ja, die Lederhose hatte zeitweise mal so ein bisschen ein Schmuddel-Image in den 1970er Jahren. Und diese komödiantischen Erotikfilme, die heißen Lederhosenfilme. Ah, die sind das.
30:59
Liebesgröße aus der Lederhose oder so. Das ist eine der bekanntesten Reihen. Hat nicht der Franz Antl auch solche gemacht?
31:06
Das wird man nicht wundern, ja.
31:08
Warte mal, ich muss mal schauen. Ich glaube, der Franz Antl hat auch diese...
31:12
Wann sagst du, in den 70ern war das?
31:13
Ja, in den 70er Jahren ist so der Höhepunkt dieser Lederhosenfirme.
31:17
Liebesgrüße aus Tirol, 006 am Wolfgangsee. Ja, ja. Otto ist der Frauenschaf, der Turm der verbotenen Liebe.
31:28
Ich glaube, those are those.
31:31
Genau, das ist aber die Zeit, wo die Lederhose, das ist dann erst viel später, eher so ein schmuddeligeres Image hatte. Was zu diesen Lederhosenfilmen-Image beiträgt, ist der Knopflatz, den die Lederhose oft hat. Also die machst du ja quasi vorne auf, indem du so einen Latz hast, den du so runterklappen kannst. Ja, ja. Das ist irgendwie aus Klo, ja. Genau.
31:52
Und jetzt kommen wir mal zu einem anderen Kleidungsstück, das neben der Lederhose für bayerische oder alpenländische Tracht steht, und zwar das Dirndl. Das Wort Dirn stand ursprünglich für junges Mädchen. Die Formen gibt es heute auch noch. Also im Hamburgischen gibt es das Wort Dern für junges Mädchen und im Bayerischen das Wort Derndl, also auch als Bezeichnung für junge Mädchen. Und da wird das Wort Dirndl auch heraus entlehnt.
32:18
Die Frage, wo und wann entsteht das Dirndl, das verbreitet sich als Begriff deutlich später als die Lederhose. Also das ist genau dieses Umfeld mit den Trachtenvereinen und der Verbreitung der Tracht über die ländlich-bäuerliche Bevölkerung hinaus, Ende des 19. Jahrhunderts dann eben mit dem Alpentourismus. Da entsteht dann das Dirndl, wie wir es heute kennen, also mit Mieder, dem Rock, weißer Bluse und der Schürze drüber.
32:45
Weil man muss ja sagen, Frauen haben zu der Zeit ohnehin Kleider getragen. Und bei den Arbeitskleidern war halt typischerweise noch eine Schürze dabei, um den Unterrock zu schützen. Aber aus diesem Kleid, da wird jetzt durch die städtischen Sommerfrischler das Dirndl. Also man macht da ein Sommerkleid einfach draus.
33:02
Das sich die Städterinnen kaufen, wenn sie dann auf Sommerfrische fahren. Das wird dadurch auch verändert. Also wenn du heute an den Dirndl denkst, die Stoffe werden feiner, die Stickereien aufwendiger. Man macht eben dann ihren Festtagskleid draus oder was auch angehend immer zu tragen ist als so eine schwere Arbeitskleidung. Und da kommen jetzt drei Brüder ins Spiel, nämlich Max Moritz und Julius Wallach.
33:26
Die stammen aus Bielefeld und die eröffnen im November 1900 in München das Trachtenhaus Wallach, also ein Trachtenbundengeschäft. Also die Wallachs stammen aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus Bielefeld und der Julius Wallach, das ist ein begeisterter Bergsteiger und Trachtenfreund, der ist auch im Alpenverein tätig und interessiert sich für Trachten und zieht daher nach Bayern, lebt auch ein Jahr in Regensburg und geht dann nach München und gründet dort eben im Jahr 1900 dieses Volkstrachtengeschäft.
33:54
Und ihm folgen dann zwei seiner Brüder, nämlich der Moditz und der Max. Nachdem also jetzt die bürgerlichen Sommerfrischler aus der Stadt Trachten für sich entdecken, können die das jetzt auch in der Stadt kaufen. Zum Beispiel im Trachtenhaus Wallach. Hm.
34:07
Und es gibt, du hast es ja auch schon angesprochen, von Anfang an die Diskussion darüber, welche Kleidung jetzt echt und authentisch ist und welche Tracht. Und diese Debatte gibt es, seit es Trachten gibt. Weil jeder sagt, ich habe die authentischere Tracht.
34:25
Und das Dirndl wird dann tatsächlich erst nach 1900 populär und das hat mit den Brüdern Wallach zu tun und wieder mit dem Oktoberfest. Zum 100. Jubiläum 1910 haben sie nämlich den Landestrachtenanzug ausgestattet und zwar unentgeltlich. Also für die war es eben Werbung für ihr Geschäft. Und der Julius Wallach hat dafür den Titel königlich bayerischer Hoflieferant bekommen.
34:47
Und bald schon ist der Laden der Wallachs eine Attraktion in München. Das ist viel, viel mehr als ein Trachtenladen. Der Julius, der sammelt unentwegt Volkskunstgegenstände, zwar in ganz Europa. Nach dem Ersten Weltkrieg gründen sie dann auch 1920 das Volkskunsthaus. Über fünf Stockwerke zeigen sie dann nicht nur Kleidung, sondern kann man alles Mögliche an Volkskunst kaufen. Und es ist so eine Attraktion in München, dass das sogar in den Reiseführern steht.
35:13
Und die Wallachs, die erfinden das Dirndl zwar nicht, aber die machen es salonfähig. Also die Wallachs sorgen dafür, dass sich das Dirndl weit verbreitet und bekannt wird. Und Richard, ich habe eine Frage an dich. Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist?
35:26
Ich müsste jetzt wissen, worauf sich das bezieht.
35:32
Ich habe den Verdacht, du hast deinen Peter Alexander nicht gesehen. Scheint fast so, ja.
35:38
Was ist das? Das ist eines der bekanntesten Lieder aus der Operette im Weißen Röstel am Wolfgangsee. Schau mal an. Bin leider nicht so der Operettenfreak. Muss ich sagen. Ich kenne es tatsächlich auch nicht als Operette. Ich kenne die Verfilmung vom 1960er Peter Alexander. Und es gibt ja diese zwei Lieder. Was kann jetzt Sigismund dafür, dass es schön ist? Und dieses Weißen Röstel am Wolfgangsee, da steht das Glück vor der Tür. Okay, sagt er auch nichts?
36:10
Also diese Operette ist uraufgeführt worden 1930 und die wird zu einem riesigen Erfolg. Und nicht nur ein riesiger Erfolg, sondern diese Operette sorgt dafür, dass das, was dort gezeigt wird, stilbildend ist für das Dirndl, weil das Dirndl damit nämlich europaweit bekannt wird.
36:31
Und welche Firma schneidert 1930 die Bühnenkostüme und stellt die Requisiten für diese Operette? Die Wallachs.
36:41
Wie ich jetzt versucht habe deutlich zu machen, ist die Tracht von Anfang an politisch aufgeladen und es zeigt sich auch während der NS-Zeit. Also Gertrud Pesendorfer aus Tirol in der Nähe von Innsbruck, die wird nämlich während der NS-Zeit zur Reichsbeauftragten für Trachtenarbeit und die verändert das Dirndl an einigen Stellen und zwar so, dass es bis heute nachwirkt. Es läuft unter dem Stichwort der Tracht eine Erneuerung. Zum Beispiel geht auf sie die Kürzung der Röcke zurück. Also die waren vorher bodenlang und wenn du heute an den Dirndl denkst, ist der eher sowas ein bisschen über Knie lang im Kopf wahrscheinlich.
37:18
Auch das Figurbetonte, also dieses bisschen Sexualisierte stammt von ihr, also die enge Schnürung am Dekolleté. Dann auch die kurzen Ärmel. Die Dirndl vorher waren langärmlich. Das sind die Veränderungen, die sie einführt und die im Grunde bis heute so die Dirndl-Mode prägen.
37:34
Und Tracht ist eben auch in der NS-Zeit politisch genutzt. Also es wird dann auch ein Trachtenverbot für die jüdische Bevölkerung erlassen. Und Trachten werden dann auch ideologisch vereinnahmt. Also man kennt es vielleicht aus den NS-Propagandafilmen. Da werden Lederhose und Dirndl als Volkstracht propagiert. Die Lederhose wird in der Zeit übrigens noch ein bisschen kürzer. Diese ganz kurze Lederhose, die man auch von Kindern oft kennt, Gerade für Kinder wird die in der Zeit auch sehr viel verwendet, weil sie halt auch praktisch und unkaputtbar ist.
38:05
Aber das Dirndl steht natürlich auch, wenn man auch diese NS-Propagandafilme kennt, für das NS-Frauenbild, also für ländlich und bodenständig.
38:16
Was bedeutet das jetzt aber für die Wallachs, also die, die ja eigentlich für die Verbreitung des Dindels gesorgt haben? 1938 wird ihr Geschäft zwangsweise arisiert. Zahlreiche Kunstgegenstände in ihrer Wohnung werden beschlagnahmt. Moritz Wallach und seine Frau, denen gelingt Anfang 1939 die Flucht in die USA.
38:36
Und Moritz Wallach kehrt dann auch 1948 zurück nach München, um das Geschäft zurückzufordern, was dann auch im Mai 1949 gelingt. Der Julius Wallach überlebt die Verfolgung durch die Nationalsozialisten ebenfalls. Der dritte Bruder Max Wallach und seine Frau, die haben es nicht geschafft. Die wurden 1941 nach Theresienstadt deportiert und vermutlich 1944 in Auschwitz ermordet.
39:01
Nach dem Krieg sind dann Dirndl und Lederhose, so auf Volksfesten wie auf dem Oktoberfest, wenig zu sehen, weil Trachten halt auch eher fürs Konservative stehen. Und erst so vor 25, 30 Jahren setzt dann so ein Trachtenboom wieder ein.
39:15
Führt aber auch dazu, dass es inzwischen halt sehr viele Varianten gibt in allen Preisklassen, was die Traditionalisten als Tracht und Fasching bezeichnen. Aber angesichts all dessen, was du gerade erzählt hast, why not? Also die Tracht ist eine Tradition, die auch irgendwann mal erfunden worden ist. Und was noch dazu kommt, als die neue Trendhose, die ganz viel aushält, da hat man dann nach dem zweiten Weltkrieg eine andere Hose und ein anderes Beinkleid etabliert, nämlich die Jeans.
39:52
Ach so. Über die du mal eine Folge gemacht hast. Und zwar eine Folge, bei der ich die Folgennummer nie nachschauen muss, weil ich die weiß.
39:58
Ja, ihr auch.
39:59
Jetzt schon das sagst. 501. Richtig, 501. Ja, die Jeans wird modern nach dem Zweiten Weltkrieg und die Lederhose steht eher so für dieses Althergebrachte, Konservative. Es wird wenig getragen. Dazu kommt dann dieses Image mit den 70er Jahren mit den Lederhosenfilmen und so. Hatte eher so einen schmuddeligeren Ruf. Und wenn man wirklich mit Tracht irgendwo hingehen wollte und feiern wollte, dann hat man damals eher einen Trachtenanzug getragen und keine Lederhose hin.
40:28
Das heißt, Lederhosenfilme, das schmuddelige, ein bisschen verstaubte und Jeansliteratur in der DDR, das moderne.
40:38
Und das kippt so Anfang, oder sagen wir mal in den frühen 2000er Jahren. Heute ist es nämlich nicht mehr so. Lederhosen werden auch zu festlichen Anlässen getragen. Wie gesagt, auf Volksfesten, auf der Wiesn. Du fällst eher auf, wenn du keine Lederhose anhast.
40:53
Und es ist eben auch hip, wieder Lederhose zu tragen. Also ganz viele Jugendliche tragen inzwischen eben auch die Tracht. Taucht auch in meinem Umfeld immer mehr auf. Und du weißt ja, ich trage gerne die Caps von Bavarian Caps. Wir haben auch eigene Caps von ihnen, die wirklich fantastisch sind. Also wer Caps mag, soll sich die unbedingt anschauen, weil die sind wirklich fordernde Qualität, sehen super aus. Und diese Marke ist genau so entstanden. Also die sind in Lederhosen auf die Wiesen gegangen, eine Freundesgruppe, und die haben sich gefragt, hey, wieso gibt es eigentlich keine Kopfbedeckung, also keine Caps, die man mit der Lederhose kombinieren kann?
41:27
Und haben dann eben eigene Caps entworfen.
41:30
Ja, sehr interessant.
41:31
Was mich so fasziniert an dieser Geschichte ist, dass halt schon die Wittelsbacher sich Gedanken darüber machen, wie man eine bayerische Identität, wie man so ein Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugen kann.
41:43
Und das Faszinierende ist, dass Bayern das bis heute schafft über diese Elemente wie die Lederhose und dem Dirndl und dem Oktoberfest. Also dieses mir sein mir Ding, das haben die einfach damals versucht zu etablieren und das funktioniert bis heute. Weil eben Lederhosen und Dirndl für Bayern und den Alpenraum stehen wie wenig andere Dinge. Dabei gibt es viele Elemente auch so in anderen Regionen. Also den Bollenhut zum Beispiel. Ich weiß nicht, ob du den kennst. Wie heißt der? Bollenhut.
42:13
Bollenhut? Das ist so ein Strohhut mit Bollen drauf. Ich werde ein Bild auf Kämpfer auch dazugeben. Den kennt man sehr gut. Das wurde ursprünglich nur in drei Orten im Schwarzwald getragen und steht inzwischen so als Symbol für den Schwarzwald. Aber wann taucht dieser Bollenhut erstmals auf? Um 1800.
42:29
Und es gibt viele Trachten in allen Gegenden Deutschlands. Also wenn du so die Trachten-Seite auf Wikipedia durchscrollst, hast du wirklich so in jeder Gegend eine eigene Tracht. Aber nirgendwo ist es derart gelungen, die Trachten zum Teil der Populärkultur zu machen.
42:46
Und das ist eben der Grund, weil dieses Identitätsding bis heute funktioniert. Man ist Teil einer Gemeinschaft, wenn man eine Lederhose oder ein Dirndl trägt. Positiv wie negativ. Also positiv im Sinne von, damit lässt sich ein Wir-Gefühl erzeugen, negativ, was sich damit natürlich auch ausgrenzen lässt. Und wichtige Punkte vielleicht noch. Es gibt ja in der Geschichtswissenschaft, und das hast du wahrscheinlich jetzt schon die ganze Zeit im Hinterkopf und hast dir überlegt für das Nachgespräch. Ich sage es aber jetzt schon. Es gibt in der Geschichtswissenschaft ja dieses Konzept der erfundenen Traditionen von Eric Hobsbawm, einer der einflussreichsten und bekanntesten Historiker des 20. Jahrhunderts.
43:23
Und Tracht ist dafür ein sehr gutes Beispiel für eine erfundene Tradition. Also gerade bei großen Veränderungen, da kommt ja häufig der Wunsch auf, zu den Ursprüngen zurückzugehen. Mit diesem Gefühl, so wie es mal war, war es echter, war es irgendwie authentischer. Und gleichzeitig wissen wir natürlich auch, dieser Ursprung ist auch immer eine Illusion. Also diesen Ursprung, den gab es und gibt es so einfach nicht. Das ist immer eine Eine Rekonstruktion aus der Gegenwart mit dem Blick zurück.
43:53
Und die Welt, und deshalb passiert es eben auch in dieser Zeit um 1900, die ändert sich mit der Industrialisierung massiv. Und was passiert, setzt die Heimatbewegung ein. Und das Dorfleben wird dramatisiert.
44:05
Einfach, weil man das Gefühl hat, okay, unser Leben steht Kopf, alles verändert sich. Und dass eine Tradition erfunden wurde, wertet jetzt aber auch die Tradition nicht ab. Weil viele verstehen das ja dann als Angriff auf ihre Tradition, wenn man sagt, ja gut, eine Tradition ist erfunden. Aber alle Traditionen sind irgendwann erfunden worden.
44:23
Weil wir brauchen es auch ein Stück weit, um uns in der Welt, in der Gemeinschaft und in der Gesellschaft zu verorten. Also wir sind eben soziale Wesen, die sich irgendwie verorten müssen.
44:32
Wobei man dazu natürlich auch dann sagen muss, es gibt ja auch diesen schönen Spruch, dass Tradition nicht das Aufheben der Asche bedeutet, sondern das Weitergabe des Feuers.
44:43
Ah, sehr gut.
44:45
Das ist ja im Grunde auch, wie man dann zum Beispiel solche Trachten betrachten kann. Und auch die Art und Weise, wie sie getragen werden und was sie für Menschen bedeuten. Also gerade weil du dieses Zugehörigkeitsgefühl und vor allem, wie wichtig das für Bayern ist. Und das wird ja mittlerweile wahrscheinlich in erster Linie, fokussiert sich das auf diese Zeit um das Oktoberfest rum. Also wenn du dann dort diese Tracht trägst. Dann gehörst du dazu und dann kannst du quasi baden in diesem Zugehörigkeitsgefühl und das ist sehr gut und ist Teil dieses gesamten Konzepts.
45:17
Aber dann, hast du auch gesagt, gibt es die Leute, die so sagen, ja, das ist so der Trachtentourismus, die man so diese Standarddinger trägt. Dann wird hier schon wieder gewertet und das ist dann wahrscheinlich die falsche Art und Weise, damit umzugehen, weil das eben dann so eine Art Versuchen ist, die Asche aufzuheben, anstatt einfach froh zu sein darüber, dass dieses Feuer entsprechend weitergetragen wird, auch wenn es vielleicht für die meisten großteils relativ sinnentleert ist, abgesehen von dieser Zeit, die sie dann beim Oktoberfest dort verbringen und viele von ihnen sind ja höchstwahrscheinlich auch nicht einmal aus Bayern, was aber andererseits auch gut sein sollte, weil dann was weitergetragen wird aus Bayern in die Welt raus und im Grunde das bayerische Bild auch verstärkt.
45:55
Ja, ganz genau. Das ist auch für Bayern quasi ein gigantisches Marketing-Tool. Ja, absolut. Und das ist eben auch der Grund, warum Geschichte so wichtig ist. Weil, also eigentlich ist es erst Geschichte, die diesen Traditionen eine Autorität verleiht. Weil wir irgendwie so im Hinterkopf haben, okay, das gehört sich wohl so, weil es schon immer so war oder weil es früher auch so gemacht wurde.
46:19
Und so wie es für diesen Podcast auch so gehört, dass wir am Ende dem einen das letzte Wort geben, der es immer hat. Und weißt du was? Ich sage das sogar schon, und ich habe gerade nachgehört, in der allerersten Folge. Folge 1, vier Langobaden, Könige und ein Trinkbecher. Und jetzt frage ich dich, Richard, wie kann Kreisky da schon immer das letzte Wort gehabt haben? Das ist doch eine Illusion. Genauso wie die Tracht. Die ist nämlich auch irgendwann erfunden worden.
46:43
Fantastisch.
46:44
War das gerade dein Schlusswort?
46:45
Das war mein Schlusswort.
46:46
Hervorragend. So gut.
46:49
Sagst du wirklich, der es immer hat? Ja, ich sage dir nur alle ersten Folgen. Wir geben dem einen und das letzte Wort, der es immer hat.
46:54
Ach, schau. Da können wir die Erfindung einer Tradition wirklich auf den Tag genau festmachen. Genau. An diesem Tag, an dem wir das aufgenommen haben. Ja, hervorragend. Sehr, sehr gut. Sehr gut. Also, ich habe es vorhin ja auch schon erwähnt, einige Male schon Hinweise kriegt bezüglich des Dirndls und dieser... Die Geschichte des Dirndls ist ja eigentlich beim Dirndl ja noch später eigentlich als die Lederhose, weil die nicht genauso miteinander zusammenhängen.
47:26
Schon, aber halt nicht miteinander. Also der Vogel hat nicht das Dirndl auch, sondern nur die Lederhose propagiert als die eigentliche Tracht.
47:37
Aber ich habe das schon einige Male gekriegt und habe mir auch gedacht, es ist spannend und habe auf den richtigen Moment gewartet. Du hast den richtigen Moment identifiziert, nämlich zur Eröffnung des Oktoberfests kommt dieses Ding raus. Sehr gut. Genau das, was ich immer erwartet habe von dir, wenn du so eine Folge über sowas machst. Und ich finde es hervorragend, wie klar das auch wieder wird, was wir auch oft sagen, wie wichtig das 19. Jahrhundert für für die Gesellschaft ist, in der wir jetzt leben, was hier für Weichen gestellt worden sind.
48:11
Und auch hier wird es eben auch wieder ganz klar, wie sehr unsere Gesellschaft auch jetzt noch so geprägt ist von vor allem eben diesen unterschiedlichen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts und vor allem den Nationalbewegungen und wie dort schon Dinge basierend auf diesen Nationalbewegungen entwickelt worden sind, die sich dann aber weiterentwickeln und deswegen auch diese Wichtigkeit, dieses nicht Asche aufheben, sondern Feuer weitergeben, dass diese Dinge wahrgenommen werden und dass sie ernst genommen werden, aber dass halt auch ernst genommen wird, dass sich die Zeiten ändern und dass sich auch die Gesellschaftszeit her weiterentwickelt hat, was aber eben nicht bedeutet, dass man hier komplett loslassen muss von dem, was dort entstanden ist, sondern es muss einfach entsprechend einbettet in die Zeit und in die Gesellschaft, in der wir jetzt leben.
48:56
Ja, das ist ein guter Punkt, ja. Dass man nicht das Gefühl hat, man muss krampfhaft daran festhalten, sondern dass man es leben lässt, auch ein Stück weit. Genau.
49:02
Aber auch nicht sagt, wir müssen alles das, was dort entwickelt worden ist oder was dort entstanden ist, wieder von uns schmeißen, um irgendwie eine eigenständige Gesellschaft zu sein. Wir sind halt immer das Resultat von dem, was davor gekommen ist und vor allem von dem, was im 19. Jahrhundert gekommen ist.
49:19
Ja, genau. Und ja, da ist einfach auch Geschichte so zentral. Das ist mir auch wieder bewusst geworden, wie sehr wir Geschichte einfach verwenden als Autorität, um Dinge eben mehr Gewicht zu verleihen. Um zu sagen, so, weil es so war, deshalb machen wir es jetzt so.
49:34
Genau, wobei man dann halt auch unterscheiden muss zwischen, ist es einfach Geschichte oder ist es einfach...
49:40
Quasi das Argument Geschichte, das man heranzieht. Erinnert mich teilweise auch so ein bisschen grundsätzlich an die Diskussion um andere bildliche Darstellungen, zum Beispiel um Statuen, die aufgestellt werden zu einer bestimmten Zeit, wo dann ja oft das Argument kommt, das ist aber historisch. Das ist ja geschichtlich, aber tatsächlich ist die Statue an sich ja nicht geschichtlich, sondern sie wurde zu einem bestimmten Zeitpunkt aus einem gewissen Grund aufgestellt und sie für sich allein ist ja noch nicht historisch, sondern auch noch im Kontext. Weshalb dann auch bedeutet, dass man jetzt nicht geschichtsklittert automatisch, nur weil man eine Statue abbaut oder so.
50:15
Sehr gut, sehr gut, sehr gut. Dieses Jahr am Oktoberfest, was ziehst du an? Ich glaube, es wird dieses Jahr ein bisschen kälter. Vielleicht ziehe ich meinen Strickjanker an. Oh, diesen Strickjanker?
50:26
Naja.
50:27
Schauen wir an. Vielleicht ziehe ich dieses Mal auch meinen im Salzkämmergut erworbenen Janker an. Mal schauen. Ich nehme nochmal mit, ich kann ja noch im Hotel. Irgendwie nicht richtig.
50:40
Ja, ich meine, der Vorteil ist, man kann ja davon ausgehen, dass vielleicht die Kleidung ein bisschen ramponiert wird.
50:48
Ja, da kann ich immer sagen, nein, lieber nicht.
50:50
Genau, andererseits ist das ja genau der Vorteil der Lederhose, weil die ist ja quasi unkaputtbar. Ja, aber Lederhose habe ich keine. Die kann man zwar nicht waschen, aber dafür ist es auch egal.
51:01
Außerdem, du weißt, ich ziehe keine kurze Hosen an. Stimmt, aber es gibt auch lange Lederhosen. Aber das ist ja dann laut Vogel komplett falsch. Die Hosen sind ja schon viel zu lang geworden.
51:10
Ja, wenn man sich an Vogel orientiert, ja. Aber es gibt auch die Tradition der Kniebundhosen.
51:16
Ja, mal schauen. Kniebundhose ziehe auch keine an.
51:19
Ganz kniebund und dann kannst du lange Strümpf dazu.
51:22
Wir haben nicht einmal lange Strümpfe.
51:26
Ich muss ihn jetzt noch reinkleiden. Es gibt sicher viele Trachtengeschäfte in deiner Umgebung.
51:34
So viele gibt es gar nicht in Wien.
51:35
Sehr gut. Sehr schöne Frage. Wie viele Hinweise erst denn du kriegst? Also gefunden habe ich in meinen Aufzeichnungen Hinweise von Luis, Michael und von Jana. Sehr gut. Eine Sache noch, was Literatur angeht. Es gibt einen sehr schönen Band, der heißt Dirndl Thun Edelweiß, die Volkskunst der Brüder Wallach von Monika Stendecke. Das ist ein Ausstellungskatalog vom Jüdischen Museum München. Da wird nicht nur die Biografie der Wallachs beschrieben, sondern eben auch ganz viele Objekte gezeigt. Und das ist sehr spannend, wie man da sieht, wie die Dirndl damals ausgeschaut haben.
52:09
Und wenn man das auch mal schaut, wie die Tracht sich doch auch sehr verändert. Also wenn du mal 70er Jahre Dirndl und dann diese Dirndl der Wallachs und dann gegenwärtige Dirndl anschaust, das ist schon immer sehr an den gegenwärtigen Moden angepasst.
52:26
Ja, Richard, ich weiß auch nicht, wie tun wir weiter?
52:31
Schau, wir haben ja Traditionen hier in unserem Podcast. Ich würde sagen, wir traditionell gehen wir nach Darbietung der Geschichte immer über zum Feedback-Hinweis-Blog und ich würde sagen, das machen wir jetzt einfach.
52:45
Machen wir das, aber das war auch nicht schon immer so.
52:49
In meinem Kopf war das schon immer so und das ist das, was zählt. Feedback-Hinweis-Blog. Wer Feedback geben will zu diesen Folgen oder anderen, kann es per E-Mail machen. Feedback at Geschichte.fm Auf den diversen Social-Media-Plattformen sind wir auch vertreten als Geschichte.fm. Außer im Fediverse. Da gibt man einfach Geschichte.social in einem Browser ein und landet dann direkt auf unserem Mastodon-Profil. Wer uns reviewen will, Sterne vergeben und solche Dinge, kann es zum Beispiel bei Apple Podcasts machen, da ist die Sichtbarkeit sehr groß.
53:23
Oder grundsätzlich einfach überall, wo man Podcasts bewerten kann. Und wer direkt in Folgen kommentieren will, wer Hintergrundinfos, Bilder und einfach Zusätzliches noch sehen will, Sehen vor allem zu folgen, kann das bei Campfire tun. Einfach auf joincampfire.fm gehen, die App installieren und dann direkt unserer Podcast Community beitreten. Mehr als 10.000 Hörerinnen und Hörer haben das bisher schon gemacht, kann ich jetzt sagen. Stimmt.
53:54
Wer da dabei sein will, ist sehr einfach.
53:57
Und es lohnt sich auch wirklich, weil da hat sich mittlerweile eine Community gebildet, wo man um die oder über die Episoden diskutieren kann, wo auch Zusatzmaterial noch dazu kommt. Also wenn jemand, keine Ahnung, irgendwo war, kommt noch ein Bild dazu. Das bereichert einfach sehr dieses Feedback. Das ist wirklich fantastisch. Absolut.
54:15
Merch gibt es unter Geschichte.shop. Wir haben auch ein neues Buch, das heißt mehr Geschichten aus der Geschichte gibt es überall dort zu kaufen, wo es Bücher gibt. Außerdem gibt es zwei Möglichkeiten, diesen Podcast werbefrei zu hören. Bei Apple Podcasts gibt es den Kanal Geschichte Plus und bei Steady kann man sich den Feed kaufen für 4 Euro im Monat. Da gibt es alle Infos unter Geschichte.fm. Wir bedanken uns in dieser Woche bei Bernd, Ferdinand, Nadja, Cody. Vielen Dank, Cody. Ich glaube, Cody ist Cody, den wir von Natur kennen. Aus den USA, oder?
54:44
Ja, wahrscheinlich.
54:45
Oder ich weiß gar nicht, wie viele Cody's uns hören, aber wir haben einen Cody in Telfs kennengelernt. Stimmt. Er ist extra nach Telfs gekommen, um uns zu sehen.
54:54
Und er schreibt ja noch, dass er auch schon das neue Buch hat. Also vielen Dank, Cody.
54:59
Julius, Melanie, Marc, Alexander, Flodis, Marius, Martin, Henning, Sophie und Tobias. Vielen, vielen Dank für eure Unterstützung.
55:10
Ja, vielen herzlichen Dank und danke an Lene Kiebel fürs Schneiden dieser Folge. Tja Richard, dann würde ich sagen, mach mal das, was wir ja schon immer machen. Was wir schon von Anfang an gemacht haben.
55:23
älteste Tradition unseres Podcasts. Wir geben dem einen das letzte Wort, der es immer hat. Nämlich Bruno Kreisky.
55:35
Lernt ein bisschen Geschichte. Lernt ein bisschen Geschichte, dann werdet ihr sehen, wie der Reporter sich damals entwickelt hat. Wie der sich damals entwickelt hat.
55:47
Tracht, wie ist jetzt auch schon, wie lange, ja, rede ich eigentlich schon, das Gefühl, seit Stunden.
55:54
Hm, na.